Zucker macht krank, Zuckersteuern sind krank

Zuckersteuer

Die Zuckersteuer macht mal wieder die Runde und diesmal scheint sie wohl Gesetz werden1. Ohne Frage ist übermäßiger Verzehr von Zucker krankmachend. Niemand bezweifelt das. Nahezu alle Menschen wissen, dass Süßigkeiten nicht unbedingt zu den gesunden Lebensmitteln gehören. Genauso steht es jedem Menschen frei, keine Süßigkeiten zu essen oder zuckrige Limos zu trinken. Sie tun es aber dennoch. Trotz allem Wissens, scheinen die meisten Menschen Süßigkeiten dann doch irgendwie in Ordnung zu finden.

Erstaunlich ist es daher, dass es keinen riesigen Aufschrei gibt, wenn die Regierung eine Strafsteuer (pardon „Lenkungssteuer“) auf zuckerhaltige Getränke und Speisen beschließt, und dies damit begründet, die Menschen müssten sich gesünder ernähren. Das fiskalische Interesse an weiteren Steuereinnahmen kommt selbstredend noch dazu.

Das letzte Mal als ich nachgeschaut habe, ging in Deutschland alle Macht vom Volke aus. Die Politiker und Politikerinnen sind, wenn es nach dem Grundgesetz geht, daher auch Volks“vertreter“. Sie vetreten unsere Interessen. In der Hinsicht finde ich es geradezu frech, wenn diese Vetreter meinen uns (ihrem eigentlichen Souverän) vorschreiben zu wollen, wie gesund oder ungesund wir zu leben haben. Das erscheint mir eher wie eine Beziehung zwischen Eltern und Kindern und nicht Volk und gewählten Vertretern. Ich denke jeder Mensch kann und darf selbst entscheiden, wieviele leckere Süßigkeiten im Einkaufswagen landen.

Umso überraschender, dass in Umfragen wohl knapp 55% eine Zuckersteuer befürworten2. Warum befürworten es Menschen, von ihren gewählten Volksvertretern bevormundet zu werden? Wollen wir vielleicht im Staat unsere Ersatzeltern sehen, die auf uns aufpassen? Niemand wird gezwungen, Süßes zu essen und Limos zu trinken. Aber vielleicht wissen diese 55% wie ungesund Zucker ist, schaffen es aber nicht, darauf zu verzichten, und nutzen den Staat dazu, den Willen auszuüben, den sie selbst nicht aufbringen können. Wie erbärmlich. Oder noch schlimmer, vielleicht sind die Befürworter willensstark genug, aber gönnen den anderen „schwachen“ Zuckerabhängigen ihr bescheidenes Vergnügen nicht. Das wäre noch erbärmlicher.

Und ja, ich kenne das Argument, dass ungesundes Essen zu hohen Kosten im Gesundheitssystem führen würde und die Zuckersteuer uns finanziell entlasten könne. Aber auch das ist ein ziemliches Missverstehen der Beziehung zwischen Staat und Bürger und Thema für ein Andernmal.

  1. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/zuckergetraenkesteuer-2457018 ↩︎
  2. https://www.stern.de/politik/deutschland/zuckersteuer–55-prozent-sind-bereit–mehr-fuer-die-limo-zu-zahlen-38182746.html ↩︎