Downsizing (2017) – Warum kleine Menschen nicht reicher sind

Die Prämisse im Film Downsizing ist simpel, elegant und wunderbar falsch. Die im Film vorgestellte Erfindung, Menschen auf ein Fünfzehntel zu verkleinern, soll den Ressourcen- und Flächenverbrauch der Menschheit auf der Erde vermindern. Im Verlauf der Handlung, nutzen jedoch fast alle Menschen die Verkleinerungstechnik, um sich reicher zu machen. Die Idee dahinter: Miniaturisierte Menschen verbrauchen weniger Ressourcen und Platz, daher ist für sie alles billiger. Normal große Menschen mit einem Vermögen von $ 150.000 (wie die Charaktere im Film) sind in der Miniwelt auf einmal das Äquivalent von Millionären. Selbstverständlich interessieren sich die meisten daher nicht für die Umwelt, sondern für ein Leben in Bequemlichkeit und Überfluss. Die Handlung spielt dann auch im passend genannten Leisureland.

Wäre es denn nur so einfach, mal ganz abgesehen von der Verkleinerungstechnik. Ökonomisch ergibt das Verkleinern von Menschen nämlich keinen Sinn. Natürlich benötigen zehn Zentimeter kleine Menschen deutlich weniger Masse an physischen Ressourcen. Aber der Film übersieht völlig, dass die Kosten ausnahmslos aller Güter aus mehr als nur den Rohstoffpreisen bestehen. Denn hinzu kommen die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Diese machen in modernen Gesellschaften den Großteil der Kosten aus.

Zum Beispiel kommt die „BOM“ (bill of materials, Materialrechnung) für ein iPhone auf ungefähr den halben Verkaufspreis. Der Rest sind Arbeitskosten für Produktion, Werbung, Vertrieb, Entwicklung und Support. Nicht zu vergessen, die Kosten für das Kapital, Know-how und die Produktionsstätten, welche von den verkauften Geräten auch gedeckt werden müssen. Zu bedenken ist außerdem, dass in den Preisen für die eingekauften Materialien ebenso die Faktoren Arbeit und Kapital enthalten sind. Schließlich kauft Apple keinen Sand, um daraus Chips zu machen, sondern halbfertige Zwischenprodukte. Kurz gesagt, die Rohstoffkosten für ein iPhone sind weitaus weniger als die Kosten für Arbeit und Kapital.

Und hier bekommt Downsizing ein Problem. Im Film haben sich etwa 3 % der Bevölkerung verkleinern lassen, von denen die meisten ein Leben der Bequemlichkeit und vor allem ohne Arbeit erstreben. Also sind Arbeitskräfte in der Welt der kleinen Menschen ganz schön knapp. Und was sind knappe Güter in der Regel: Teuer! Klar, die ganzen Miniaturprodukte könnten auch bei den „Großen“ produziert werden. Aber um beim iPhone zu bleiben, die Miniaturisierung eines entsprechenden Chips ist das zurzeit Minimalste, was möglich ist. Und so ein Chip ginge den kleinen Menschen wohl ungefähr bis zum Knie. Etwas unpraktisch für ein tragbares Telefon.

Die Produktion müsste also auf der miniaturisieren Ebene stattfinden. Aber da gibt es weder genügend Arbeitskräfte noch Kapital, also Produktionsanlagen. Und dann würden diese Anlagen iPhones für 3 % der Bevölkerung produzieren. Eine viel zu kleine Menge, um die Investitionen in die Fabriken zu rechtfertigen. Die Stückkosten wären bei den wenigen verkauften Einheiten enorm. Und dieses Problem gäbe es mit nahezu jedem Produkt.

Wie sieht es mit Dienstleistungen aus? Deren Preise bestehen überwiegend aus Arbeitslohn. Medizinisches Personal, Lehrkräfte oder Handwerker könnten immense Preise verlangen. Denn die kleinen Menschen haben nicht plötzlich weniger Bedarf an diesen Dienstleistungen. Das lässt sich nicht herunterskalieren. Selbst die im Film als arme Randgruppe dargestellten Reinigungskräfte könnten in einer Welt, in der fast niemand arbeiten möchte, vermutlich gutes Geld verdienen.

Noch schlimmer wird es mit den Immobilienpreisen. Das Filmpaar kann sich in der großen Welt kein neues und größeres Haus leisten. In der Miniaturwelt bekommen sie für ihr Geld plötzlich eine Art Hollywood-Anwesen. Nur weil Menschen weniger Platz brauchen, bedeutet es nicht, dass dieser Platz weniger kostet. Wir wissen doch heute schon, dass eine bescheidene Eigentumswohnung in München mehr kostet ein großzügiges Haus mit Grundstück in Mecklenburg-Vorpommern. In Downsizing können die kleinen Menschen noch nicht überall leben, denn Wind, Regen, Schnee und auch Tiere sind eine echte Gefahr. Also wurden die Siedlungen unter schützenden Kuppeln gebaut. Es ist wie eine Stadt, in der immer mehr Menschen leben wollen, aber der Platz für Neubauten ausgeht. Das kennen wir glaube ich auch, oder? Land und damit Wohnen wird teuer.

Das wird wohl nichts mit dem riesigen Anwesen. Dem Leben in Luxus und materiellem Überfluss sowie dem vorzeitigen Ruhestand.

Aber letztlich geht es im Film nicht wirklich um die wirtschaftliche Realität von Menschenverkleinerung. Die Technologie ist nur ein filmischer Kniff, um unsere Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sehenswert allemal, wenn man ökonomisches Grundwissen beim Schauen einfach ausschaltet. Oder wenn es wie bei der Mehrheit ohnehin nur miniaturisiert vorhanden ist. Vielleicht bietet der Film auch einen Grund, mal über Kosten und Produktionsfaktoren nachzudenken. Spätestens bei der nächsten Wahl tut es ganz gut, dann ein paar Zusammenhänge mehr zu verstehen.

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