Früher war Fernsehen besser. Vielleicht nicht ganz so sehr „früher“ wie A-Team und Loveboat. Aber es gab einen Aspekt dieser alten Serienformate, der heute kaum noch vorhanden ist und das Fehlen macht das Anschauen moderner Serien anstrengend. Der sogenannte „Status quo ante“, also das Zurücksetzen der Show auf den Anfang. Bestes Kennzeichen dafür ist die berühmte-berüchtigte Lachszene am Ende jeder Folge.
Dieser dramaturgische Kniff hat Serien sicher, vorhersehbar und beruhigend gemacht. Man konnte sich auf die Charaktere und das Setting verlassen. Größere Veränderungen gab es nur als Ausnahme oder zur neuen Staffel. Serien dieser Art können aber auch ziemlich langweilig und vorhersehbar sein. Wird alles auf den Anfang zurückgesetzt, kann ja gar nichts Schlimmes passieren. Wir wurden, mit allen Vor- und Nachteilen, vom Fernseher an der Hand gehalten.
Daher war es durchaus willkommen, dass ab den späten 1990er Jahren dieses Prinzip immer mehr in den Hintergrund rückte und eigentlich nur noch in Sitcoms und Crime Procedurals dominierte. Serien wie Lost, Sopranos, Justified, Person of Interest oder Mad Men wären ohne das Loslassen dieser Konvention nicht möglich gewesen.
Aber spätestens mit der Streamingrevolution nahm die Ablehnung des Status quo ante Überhand. Wohl um die Menschen vor den Bildschirmen zum Bingen zu verleiten oder um bei der Vielzahl an virtuellen Ablenkungen Aufmerksamkeit zu halten, wird das gesamte Setting der Serie nahezu in jeder Folge auf die Probe gestellt. Bleiben sie (Paare, Teams, Freunde etc.) zusammen? Geht jemand andere Wege? Sind die Loyalitäten mal wieder anders verteilt. Oh Überraschung, es scheint alles überwunden und geklärt und ein Charakter würgt den Zuschauenden am Ende eine rein und stellt unerwartet wieder alles infrage.
Ich finde das Schauen solcher Serien immens anstrengend. Es grenzt schon an Missbrauch. Es ist fernsehgemachtes Gaslighting, nur um uns am Schauen zu halten. Ich schalte regelmäßig nach ein paar Folgen ab. Denn im Grunde ist das die Methode der Soap-Operas für die überreizte Generation TikTok. Derselbe Trick nur eben nicht für gelangweilte Hausfrauen der 1980er, sondern für die Betroffenen einer Art App-induzierten Aufmerksamkeitsdefizitstörung.
Wenn das alles etwas kulturpessimistisch klingt, dann ist es so. Ich möchte wieder gute Serien schauen und nicht das Gefühl haben, mein Fernseher hat eine Bindungsstörung.
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